Midria 2010
 
  Auf den Spuren des Wolfes
Februar 2012
 
     
 
Am 6. Februar machen sich 2 Gruppen des Midria-Theorietages auf nach Buckow ins Naturpark Besucherzentrum „Schweizer Haus“. Hier wollen wir mehr über die Natur der Märkischen Schweiz und die Rückkehr des Wolfes in die deutschen Lande erfahren. Es erwartet uns zunächst der Film "Ich finde den Wolf…", in dem sich Brandenburger Schüler auf die Suche nach "Isegrim" begeben. Sie erkunden, in welchen Gegenden in letzter Zeit wieder Wölfe gesichtet wurden und bringen Näheres über seine Lebensweise in Erfahrung. "Der Wolf ist wieder da", tönen die Kinder in selbst eingespielten Liedern – doch nicht alle Menschen freut das. Wie in Interviews gezeigt wird, sind viele Jäger nicht gut auf den Wolf zu sprechen, weil er Ihnen vermeintlich die "Beute" wegfrisst. Schäfer machen sich Sorgen um ihre Herden. Zurecht ?
Die Frage bleibt im Raum. Nach den vielen Filminformationen geht es nämlich zunächst hinaus ins Freie: Auch extrem frostige Temperaturen von unter 15 Grad minus halten uns nicht davon ab, einen Abstecher in die "Wolfsschlucht" zu machen. Hier, so erklärt uns die Naturführerin des Schweizer Hauses, müssen Rehe und Hirsche hindurch, wenn sie zum Trinken an die nahe gelegene Wasserstelle wollen. Früher lauerten ihnen dabei nicht selten Wölfe auf – der klangvolle Name der Schlucht war geboren. Wir entdecken einige Spuren im Schnee - ob hier Hunde oder wirklich Wölfe durchkamen, muss jedoch offen bleiben. Auf jeden Fall, so versichert man uns, gibt es seit kurzem ein Wolfsrudel in der Region.
 
  schweizer haus buckow ___wolf  
 
Beim Waldspaziergang ist uns warm geworden. Unter uns krachen Zweige, Schnee und Eis, wir stapfen, kraxeln und klettern über Wege quer durchs Unterholz. Ab und zu jedoch machen wir gern Halt, um Geschichten über die hier heimische Tier- und Pflanzenwelt zu lauschen.
Wieder im Besucherzentrum angekommen, geht es weiter mit einem Quiz: In drei Gruppen eingeteilt, suchen wir Antworten auf jeweils fünf Fragen zu den Themen Eiszeit, Jagd und Wolf. Später wird das neue Wissen den anderen Gruppen vorgestellt. Dabei erfahren wir, dass es vor vielen Erdzeitaltern mehrere extreme Kälteperioden auf der Erde gab. In diesen Zeiten war Brandenburg von einer Eisschicht so hoch wie der Berliner Fernsehturm bedeckt! Die Landschaft, wie wir sie heute in Deutschland kennen, ist ein Ergebnis der letzten Eiszeit vor ca. 120 000 Jahren. So schürfte das vorrückende Eis tiefe Hohlräume aus, in dem sich später bei der großen Schmelze das Wasser sammelte: Auf diese Weise entstanden die vielen Seen der Region. Unsere Flüsse wiederum sind Reste des abfließenden Schmelzwassers. Das mitgeschleifte Erd- und Steinmaterial türmte sich zu einer Hügellandschaft auf, wie wir sie heute z.B. in der Märkischen Schweiz vorfinden.
 
  fährtensuche ___wolfsschlucht  
 
Die nächste Gruppe beschäftigte sich mit Fragen wie: Was unterscheidet die Jagd heute von früher? Warum wird und wurde überhaupt gejagt? Was sind Schonzeiten?
Man berichtet uns, dass der Mensch früher auf die Jagd angewiesen war. Bevor es die Landwirtschaft im heutigen Sinne gab, ernährte sich der Mensch hauptsächlich von mühsam mit Pfeilen oder Speeren erjagtem Fleisch. Zudem lieferten die erbeuteten Tiere Felle als Kleidung. Aus Sehnen, Knochen und anderen Körperteilen wurden wichtige Werkzeuge hergestellt. Heute dagegen jagt man mit modernen Schusswaffen und meist nur, um das Gleichgewicht der Arten zu wahren: Wenn etwa zu viele Wildschweine oder Rehe die Gesundheit des Waldes gefährden, darf der zuständige Jäger einzelne Tiere abschießen. Wenn sie sich fortpflanzen, ist die Jagd zudem verboten: eine „Schonzeit“, die der Erhaltung der Bestände dient.
Auch über den Wolf, der in Deutschland vor einigen Jahrhunderten durch Jagd ausgerottet wurde, nun jedoch langsam über Polen zurückkehrt, gibt es noch mehr in Erfahrung zu bringen. Im Märchen „Rotkäppchen“ erscheint er böse, gefräßig und gefährlich. In Wirklichkeit, so betonen Umweltschützer, sei er Menschen gegenüber jedoch äußerst scheu – weshalb es sehr schwer ist, ihn in freier Wildbahn zu sichten. Seinen Familienangehörigen begegnet der Wolf sanft und fürsorglich. Außerdem erbeutet er stets nur soviel, wie er zum Überleben braucht – und zwar meist alte, schwache oder kranke Tiere. Das hilft dem Wald und auch den Jägern, für die das gesunde Wild übrig bleibt. Jedes einzelne Rudel, zu der die Wolfseltern und die Nachkommen der letzten 1 bis 3 Jahre gehören, beansprucht zudem sehr viel Raum. Und dieser - das eigene Revier - wird gegen andere Wolfsrudel verteidigt. Eine massenhafte Ausbreitung des Raubtieres und eine Gefährdung der Wild- oder Weidentierbestände sind also nicht zu erwarten. Soviel Wissen, soviel Interessantes…! Als wir nach drei Stunden Buckow verlassen, tun wir das mit viel neu Erfahrenem und Erspürtem im Gepäck. Die Ausstellungen, Wolf, Wald und Natur haben uns bereichert.

(von Katja Marzahn unter Mithilfe von Susanne Ewert und Heiko Fandrey)
 
 
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